Überblick: Worum geht es?
Die gut 100 Jahre zwischen 1649 und 1755 beginnen in einem verwüsteten Land und enden in einem Europa der Großmächte. Es ist die Zeit der prunkvollen Schlösser und der stehenden Heere, der Türkenkriege und der ersten Schritte der Aufklärung – und die Zeit, in der Österreich und Preußen zu den beiden Rivalen werden, die die deutsche Geschichte bis ins 19. Jahrhundert prägen.
Warum gerade 1649 und 1755?
Der Frieden muss umgesetzt werden
Der Westfälische Frieden ist unterschrieben, doch noch stehen überall fremde Truppen im Land. Auf dem Nürnberger Exekutionstag (1649/50) wird geregelt, wie die Heere abziehen und bezahlt werden. Erst jetzt beginnt der eigentliche Wiederaufbau. Im selben Jahr wird in England König Karl I. hingerichtet – ein Schock für alle Monarchien Europas.
Ruhe vor dem nächsten Sturm
Österreich und Preußen haben zweimal um Schlesien gekämpft. 1755 bereiten beide Seiten schon den nächsten Krieg vor, der 1756 als Siebenjähriger Krieg ausbricht. Am 1. November 1755 zerstört ein Erdbeben Lissabon – ein Ereignis, das das Denken der Aufklärung tief erschüttert.
Die Zeit in vier Abschnitten
- Nach dem Dreißigjährigen Krieg wird das Reich wieder aufgebaut; der Kaiser bleibt schwach, die großen Landesfürsten werden stärker.
- Nach dem Vorbild Ludwigs XIV. von Frankreich regieren viele Fürsten absolutistisch: mit Hof, Beamten, Steuern und einem stehenden Heer.
- Das Reich muss sich gegen zwei Seiten verteidigen: gegen die Eroberungskriege Frankreichs im Westen und gegen die Osmanen, die 1683 vor Wien stehen.
- Aus diesen Kriegen geht Österreich als Großmacht im Südosten hervor; im Norden steigt Brandenburg-Preußen mit seiner Armee auf.
- Ab 1740 kämpfen Maria Theresia und Friedrich II. um Schlesien – der Beginn des deutschen Dualismus. Zugleich verbreiten sich Pietismus und frühe Aufklärung.
Der rote Faden: Eine Kette von Ursachen und Folgen
Viele Ereignisse dieser Zeit hängen direkt zusammen. Wer diese Kette versteht, versteht die ganze Epoche:
- 1Westfälischer Friedenstarke Fürsten, schwacher Kaiser
- 2Wiederaufbauder Staat ordnet das Land neu
- 3AbsolutismusFürsten bündeln die Macht
- 4Stehende HeereSteuern, Beamte, Soldaten
- 5Kriege gegen Frankreich und OsmanenÖsterreich wird Großmacht
- 6Aufstieg PreußensMilitärstaat im Norden
- 7Kampf um SchlesienDualismus Österreich – Preußen
Daneben läuft ein zweiter Faden: In Europa setzt sich die Idee eines Gleichgewichts der Mächte durch – keine Macht soll so stark werden, dass sie alle anderen beherrscht. Und im Denken der Menschen beginnt ein langsamer Wandel vom Barock, das von Glauben und Pracht geprägt ist, zur Aufklärung, die auf die Vernunft setzt.
Die Welt um 1649
Der Dreißigjährige Krieg ist vorbei, aber seine Folgen sind überall sichtbar. Um die folgenden Jahrzehnte zu verstehen, müssen wir wissen, wie zerstört das Land war und welche neue Ordnung der Westfälische Frieden geschaffen hatte.
Ein verwüstetes Land
Im Heiligen Römischen Reich war die Bevölkerung während des Krieges von etwa 16–17 Millionen auf rund 10–11 Millionen Menschen gesunken – also um etwa ein Drittel. In manchen Regionen wie Pommern, Mecklenburg, der Pfalz oder Württemberg lebte nur noch die Hälfte der Menschen oder weniger. Viele Dörfer standen leer, Felder lagen brach, Städte waren verarmt und verschuldet.
Hinzu kamen die Kosten des Friedens: Schweden verlangte hohe Geldsummen, um seine rund 60.000 Soldaten abzudanken. Erst auf dem Nürnberger Exekutionstag (April 1649 bis Juli 1650) einigte man sich auf Zahlungen und einen stufenweisen Abzug der Truppen. Die Menschen feierten das mit großen Friedensfesten – das Ende des Krieges wurde erst jetzt wirklich spürbar.
Die neue Ordnung von 1648
Der Westfälische Frieden war das neue Grundgesetz des Reiches. Er hatte drei wichtige Folgen für die Zeit danach:
Der Kaiser
Er blieb Oberhaupt des Reiches, konnte aber über Krieg, Frieden, Steuern und Gesetze nur noch gemeinsam mit dem Reichstag entscheiden. Bis 1657 regierte Ferdinand III., danach Leopold I. – beide aus dem Haus Habsburg.
Die großen Landesfürsten
Sie hatten nun die volle Landeshoheit und durften Bündnisse schließen, auch mit ausländischen Mächten. Die mächtigsten waren Österreich (Habsburg), Brandenburg, Bayern, Sachsen und die Pfalz.
Die vielen Kleinen
Neben den großen Fürstentümern gab es Hunderte geistliche Gebiete, Grafschaften, Reichsstädte und Ritterherrschaften. Für sie war das Reich mit seinen Gerichten ein wichtiger Schutz vor den Großen.
Fremde Mächte im Reich
Schweden besaß Vorpommern, Wismar und Bremen-Verden und saß damit im Reichstag. Frankreich hatte Rechte im Elsass. Beide galten als „Garanten“ des Friedens – und konnten sich so in die Reichspolitik einmischen.
Auch in der Religion herrschte nun eine feste Ordnung: Katholiken, Lutheraner und Reformierte waren anerkannt, und das Normaljahr 1624 legte fest, wem welche Kirchen und Kirchengüter gehörten. Glaubenskriege im Reich gab es danach nicht mehr – aber Misstrauen und Benachteiligung blieben.
Weil der Kaiser so wenig Macht hatte, fand der „Staatsaufbau“ in Deutschland nicht im Reich, sondern in den einzelnen Territorien statt. Wer einen modernen Staat mit Beamten, Steuern und Armee aufbauen wollte, tat das als Landesfürst – in Wien, Berlin, München oder Dresden. Das erklärt, warum es in dieser Epoche um den Aufstieg einzelner Länder geht und nicht um ein starkes Deutschland.
Europa um 1649 – die Nachbarn
| Land | Lage um 1649 |
|---|---|
| Frankreich | Gewinner des Westfälischen Friedens. Im Inneren erschüttert der Adelsaufstand der Fronde (1648–1653) die Monarchie. Der junge König Ludwig XIV. wird aus dieser Erfahrung lernen, den Adel unter Kontrolle zu bringen. |
| England | Nach einem Bürgerkrieg zwischen König und Parlament wird König Karl I. am 30. Januar 1649 hingerichtet. England wird für elf Jahre eine Republik, ab 1653 unter Oliver Cromwell. |
| Spanien | Hat die Niederlande verloren und kämpft noch bis 1659 gegen Frankreich. Die einstige Weltmacht ist geschwächt und hoch verschuldet. |
| Niederlande | Seit 1648 unabhängig. Die Republik ist im „Goldenen Zeitalter“: führende Handels- und Seemacht, Zentrum von Kunst, Buchdruck und Wissenschaft. |
| Schweden | Großmacht im Norden, beherrscht große Teile der Ostseeküste und besitzt Gebiete im Reich. |
| Polen-Litauen | Großes Doppelreich mit gewähltem König und mächtigem Adel. Ab 1648 erschüttern Kosakenaufstände und Kriege das Land. |
| Osmanisches Reich | Beherrscht den Balkan und den größten Teil Ungarns. Die Grenze zu Habsburg liegt nur wenige Tagesmärsche östlich von Wien. |
| Russland | Ein großes, aber noch wenig mit Westeuropa verbundenes Zarenreich. |
Um 1649 ist das Reich verwüstet und entvölkert. Der Westfälische Frieden hat die Landesfürsten gestärkt und den Kaiser an den Reichstag gebunden. Frankreich und Schweden sind die neuen Vormächte; im Osten stehen die Osmanen nahe an der Grenze.
Wiederaufbau und Neuordnung des Reiches
Nach dem Krieg muss fast alles neu aufgebaut werden: Höfe und Dörfer, Handel und Verwaltung. Gleichzeitig findet das Reich eine neue Form – mit einem Reichstag, der ab 1663 dauerhaft tagt.
Neue Menschen für leere Länder
Die Fürsten wussten: Ein Land ohne Menschen bringt keine Steuern und keine Soldaten. Deshalb warben sie gezielt Siedler an – das nannte man Peuplierung (von französisch peuple, „Volk“).
- Neusiedler erhielten oft Land, Baumaterial und einige Jahre Steuerfreiheit.
- Viele kamen aus der Schweiz, aus Tirol, den Niederlanden oder aus anderen deutschen Regionen.
- Glaubensflüchtlinge waren besonders willkommen, wenn sie Fachwissen mitbrachten – etwa die französischen Hugenotten nach 1685 (siehe Kapitel 8).
Der Wiederaufbau ging langsam, aber stetig voran. Historiker gehen davon aus, dass die Bevölkerung des Reiches bis in die 1720er-Jahre wieder den Stand von vor dem Krieg erreichte. Rückschläge brachten neue Kriege, Missernten und Seuchen – die Pest kehrte mehrmals zurück, zuletzt 1713.
Das Reich findet eine neue Form
Viele Historiker sahen das Reich nach 1648 lange als „morsch“ und bedeutungslos. Die neuere Forschung urteilt anders: Das Reich wurde zu einer Rechts- und Friedensordnung, die gerade die kleinen und mittleren Herrschaften schützte.
Der Immerwährende Reichstag
Am 20. Januar 1663 trat in Regensburg ein Reichstag zusammen, um über die Türkengefahr zu beraten. Weil die Verhandlungen nie abgeschlossen wurden, blieb er einfach zusammen – bis zum Ende des Reiches 1806. Statt der Fürsten selbst saßen dort rund 70 Gesandtschaften. So entstand eine Art ständiger Gesandtenkongress.
Die Reichsgerichte
Das Reichskammergericht (ab 1693 in Wetzlar) und der Reichshofrat in Wien schlichteten Streit zwischen Fürsten, aber auch zwischen Untertanen und ihren Herren. Selbst Bauern konnten gegen ihren Landesherrn klagen.
Die Reichskriegsverfassung
Angesichts der Bedrohung durch Frankreich und die Osmanen beschloss der Reichstag, wie ein gemeinsames Reichsheer aufzustellen sei. Die Reichskreise mussten dafür Truppen stellen – zusammen rund 40.000 Mann.
Kaiser Leopold I. und der Rheinbund
1658 wurde der Habsburger Leopold I. zum Kaiser gewählt. Er regierte fast ein halbes Jahrhundert (bis 1705) – die Zeit der großen Kriege gegen Frankreich und die Osmanen. Seine Wahl war nicht selbstverständlich: Frankreich versuchte, einen eigenen Kandidaten durchzusetzen.
Im selben Jahr schlossen mehrere Reichsfürsten – darunter der Erzbischof von Mainz – mit Frankreich und Schweden den Rheinbund (1658–1668). Er sollte verhindern, dass der Kaiser das Reich in die Kriege Spaniens hineinzog. Das Bündnis zeigt, wie die Fürsten ihr neues Bündnisrecht nutzten – und wie Frankreich versuchte, im Reich Einfluss zu gewinnen.
Obwohl die Fürsten fast selbstständig regierten, hatten die meisten ein Interesse am Fortbestand des Reiches: Es gab ihnen Rang und Titel, schützte die Kleinen vor den Großen und bot einen gemeinsamen Rahmen gegen äußere Feinde. Der Kaiser wiederum blieb als Schiedsrichter, Lehnsherr und oberster Richter wichtig – vor allem für die katholischen und kleineren Reichsstände.
- 1649/50: Nürnberger Exekutionstag → Abzug der Truppen, Beginn des Wiederaufbaus.
- Peuplierung: Fürsten werben Siedler an; bis in die 1720er-Jahre erholt sich die Bevölkerung.
- 1663: Immerwährender Reichstag in Regensburg → das Reich als Rechts- und Friedensordnung.
- 1658: Leopold I. wird Kaiser; der Rheinbund zeigt den Einfluss Frankreichs.
Das Zeitalter des Absolutismus
Ein Herrscher, der „losgelöst“ von allen anderen Gewalten regiert – das war das Ideal vieler Fürsten dieser Zeit. Ihr großes Vorbild war Ludwig XIV. von Frankreich. Doch es gab auch ein Gegenmodell: England.
4.1 Was bedeutet Absolutismus?
Das Wort Absolutismus kommt vom lateinischen legibus absolutus – „von den Gesetzen losgelöst“. Gemeint ist eine Herrschaftsform, in der der Fürst die ganze Staatsgewalt in seiner Hand vereint: Er macht die Gesetze, ist oberster Richter, entscheidet über Krieg und Frieden und erhebt Steuern, ohne die Landstände fragen zu müssen. Seine Macht leitet er von Gott ab („Gottesgnadentum“).
Stehendes Heer
Statt Söldner nur für einen Krieg anzuwerben, unterhält der Fürst dauerhaft eine Armee, die ihm allein gehorcht (stehendes Heer).
Beamte
Bezahlte, ausgebildete Beamte verwalten das Land im Auftrag des Fürsten – nicht mehr der örtliche Adel.
Staatswirtschaft
Der Staat fördert gezielt die Wirtschaft, um mehr Steuern einzunehmen (Merkantilismus).
Hof und Repräsentation
Prächtige Schlösser, Feste und eine strenge Hofordnung zeigen die Macht des Herrschers und binden den Adel an den Hof.
Das Wort „Absolutismus“ wurde erst im 19. Jahrhundert geprägt. Die Forschung betont heute, dass kein Fürst wirklich unbeschränkt herrschte: Adel, Kirche, Städte, Landstände, altes Recht und die Reichsgerichte setzten ihm Grenzen. „Absolutismus“ beschreibt daher eher einen Anspruch und ein Ideal als die tatsächliche Wirklichkeit.
4.2 Das Vorbild: Ludwig XIV. von Frankreich
Ludwig XIV. (König 1643–1715) übernahm 1661 selbst die Regierung und regierte danach ohne leitenden Minister. Er nannte sich „Sonnenkönig“: Wie die Planeten um die Sonne sollte sich alles um ihn drehen. Der berühmte Satz „Der Staat bin ich“ wird ihm zugeschrieben, ist aber wahrscheinlich nicht von ihm.
- Versailles: Ab 1682 residierte der Hof im riesigen Schloss Versailles bei Paris. Der Hochadel musste dort leben, um Einfluss zu haben – so wurde er überwacht und von Aufständen abgehalten (Hofgesellschaft).
- Colbert und der Merkantilismus: Sein Finanzminister Jean-Baptiste Colbert förderte Manufakturen, Straßen, Kanäle und den Export, erhob hohe Zölle auf ausländische Waren und baute eine Flotte auf.
- Armee: Frankreich unterhielt das größte stehende Heer Europas – Grundlage für die Eroberungskriege (Kapitel 5).
- Ein König, ein Glaube: 1685 hob Ludwig mit dem Edikt von Fontainebleau die Rechte der Hugenotten auf. Schätzungsweise 150.000 bis 200.000 Protestanten flohen aus Frankreich – viele davon nach Deutschland.
4.3 Absolutismus in Deutschland
Viele deutsche Fürsten ahmten Ludwig XIV. nach – im Großen wie im Kleinen. Französisch wurde die Sprache der Höfe und der Gebildeten.
Residenzen
Überall entstanden prächtige Schlösser nach dem Vorbild von Versailles: Schönbrunn (Wien), Nymphenburg (München), Ludwigsburg (Württemberg), der Zwinger (Dresden), die Würzburger Residenz. Oft wurden ganze Residenzstädte neu geplant, etwa Mannheim oder Karlsruhe (1715).
Kameralismus
In Deutschland hieß die staatliche Wirtschaftslehre Kameralismus. Ihr Ziel: ein volkreiches, wirtschaftlich starkes Land mit gefüllter Staatskasse. Ab 1727 wurde sie in Halle und Frankfurt (Oder) sogar als Universitätsfach gelehrt.
Entmachtung der Stände
In vielen Ländern verloren die Landstände ihr Recht, Steuern zu bewilligen. In anderen, etwa in Württemberg oder Mecklenburg, konnten sie sich behaupten.
Große Unterschiede
Ein „absolutistischer“ Zwergstaat mit wenigen tausend Einwohnern hatte mit Versailles wenig gemein. Echte Machtstaaten wurden nur die großen Territorien – vor allem Österreich und Preußen.
Schlösser, Feste und Armeen kosteten gewaltige Summen. Bezahlt wurden sie vor allem von den Bauern und Bürgern über Steuern, Abgaben und Frondienste. Manche Fürsten verschuldeten sich hoch oder „verkauften“ sogar Soldaten gegen Geld an andere Mächte (Subsidien). Die Kluft zwischen dem Leben am Hof und dem der einfachen Menschen war enorm.
4.4 Das Gegenmodell: England und die Niederlande
Nicht überall setzte sich der Absolutismus durch. In England kämpfte das Parlament jahrzehntelang mit der Krone um die Macht:
Englands Weg zur parlamentarischen Monarchie
1649–1714- 1649Hinrichtung König Karls I.; England wird Republik (Commonwealth).
- 1653–1658Oliver Cromwell regiert als „Lordprotektor“ – faktisch eine Militärherrschaft.
- 1660Rückkehr der Monarchie (Restauration) unter Karl II.
- 1688/89Glorreiche Revolution: Der katholische König Jakob II. wird fast ohne Blutvergießen gestürzt. Der Niederländer Wilhelm III. von Oranien und seine Frau Maria werden König und Königin.
- 1689Bill of Rights: Ohne Zustimmung des Parlaments darf der König keine Steuern erheben, keine Gesetze aufheben und kein Heer im Frieden unterhalten.
- 1707England und Schottland vereinen sich zum Königreich Großbritannien.
- 1714Der Kurfürst von Hannover wird als Georg I. König von Großbritannien – Beginn einer über 120-jährigen Personalunion mit einem deutschen Land.
In dieser Zeit schrieb der englische Philosoph John Locke (1689/90), dass jeder Mensch natürliche Rechte auf Leben, Freiheit und Eigentum habe und dass eine Regierung nur mit Zustimmung der Regierten rechtmäßig sei. Diese Ideen wurden später zur Grundlage moderner Verfassungen.
- Absolutismus: Der Fürst beansprucht die ganze Staatsgewalt – mit Hof, Beamten, stehendem Heer und Merkantilismus.
- Vorbild: Ludwig XIV. und Versailles; in Deutschland entstehen zahlreiche Residenzen.
- Grenzen: Der Begriff ist später entstanden; in Wirklichkeit war die Macht der Fürsten oft beschränkt.
- Gegenmodell England: Glorreiche Revolution 1688/89 und Bill of Rights → Herrschaft mit dem Parlament.
Ludwig XIV. und die Kriege im Westen
Fast ein halbes Jahrhundert lang führte Frankreich Kriege, um seine Grenzen nach Osten zu verschieben. Das Reich, vor allem seine westlichen Gebiete am Rhein, wurde zum Schauplatz – und zum Opfer – dieser Politik.
Warum führte Ludwig XIV. so viele Kriege?
Ruhm
Kriegsruhm (gloire) galt als wichtigste Aufgabe eines Königs. Siege steigerten das Ansehen des Herrschers in ganz Europa.
Sichere Grenzen
Frankreich wollte „natürliche Grenzen“ wie den Rhein erreichen und sich vor den Habsburgern in Spanien und im Reich schützen.
Erbansprüche
Ludwig nutzte Heiratsverbindungen, um Ansprüche auf fremde Gebiete zu erheben – auf die Spanischen Niederlande, die Pfalz und schließlich ganz Spanien.
Die vier Kriege Ludwigs XIV.
Phase I: Devolutionskrieg
1667–1668- 1667Ludwig erhebt im Namen seiner spanischen Ehefrau Anspruch auf Teile der Spanischen Niederlande und lässt seine Truppen einmarschieren.
- 1668Frieden von Aachen: Frankreich erhält mehrere flandrische Städte, darunter Lille.
Phase II: Holländischer Krieg
1672–1679- 1672Frankreich greift die Niederlande an. Die Niederländer öffnen die Deiche und setzen das Land unter Wasser, um die Angreifer aufzuhalten.
- 1674Das Reich erklärt Frankreich den Reichskrieg. Französische Truppen verwüsten Teile der Pfalz und Badens.
- 1675Schweden fällt als Verbündeter Frankreichs in Brandenburg ein und wird bei Fehrbellin geschlagen (Kapitel 8).
- 1678/79Frieden von Nimwegen: Frankreich erhält die Franche-Comté (Freigrafschaft Burgund) und Freiburg im Breisgau.
Zwischen den Kriegen: Die Reunionen und Straßburg
Auch im Frieden setzte Ludwig seine Ausdehnung fort. Ab 1679 ließen eigens eingerichtete Gerichte, die „Reunionskammern“ in Metz, Breisach, Besançon und Tournai, anhand alter Lehensurkunden prüfen, welche Gebiete angeblich schon immer zu Frankreich gehört hätten. Die Urteile fielen immer zugunsten des Königs aus; französische Truppen besetzten daraufhin zahlreiche Orte (Reunionen).
Am 30. September 1681 besetzte Frankreich die freie Reichsstadt Straßburg – ohne jeden Rechtsgrund. Das Reich war machtlos, denn zur selben Zeit rückten die Osmanen auf Wien vor. Im Regensburger Stillstand von 1684 musste es die Besetzungen für 20 Jahre hinnehmen.
Phase III: Pfälzischer Erbfolgekrieg
1688–1697- 1688Ludwig erhebt im Namen seiner Schwägerin Liselotte von der Pfalz Ansprüche auf pfälzisches Erbe und lässt Truppen in die Pfalz einmarschieren.
- 1689Gegen Frankreich bildet sich die Wiener Große Allianz: Kaiser und Reich, England, die Niederlande, Spanien und Savoyen.
- 1689Beim Rückzug verwüsten französische Truppen systematisch die Pfalz und angrenzende Gebiete: Mannheim wird dem Erdboden gleichgemacht, Speyer und Worms brennen, der Wormser Dom brennt aus.
- 1693Heidelberg wird erneut erobert und mitsamt dem Schloss fast völlig zerstört.
- 1697Frieden von Rijswijk: Frankreich gibt die meisten Reunionsgebiete und Lothringen zurück, behält aber das Elsass mit Straßburg.
Die Zerstörung der Pfalz war keine Folge von Kämpfen, sondern ein geplanter Befehl: Ein breiter Streifen Land sollte unbewohnbar gemacht werden, damit gegnerische Heere dort nicht versorgt werden konnten. Städte, Dörfer, Kirchen und Burgen wurden gesprengt und angezündet. Die Ruine des Heidelberger Schlosses erinnert bis heute daran. Auch das Reichskammergericht musste aus dem zerstörten Speyer nach Wetzlar umziehen. Die Erfahrung prägte für lange Zeit das Bild Frankreichs als „Erbfeind“ in Deutschland.
Phase IV: Spanischer Erbfolgekrieg
1701–1714- 1.11.1700Der kinderlose König Karl II. von Spanien stirbt. Im Testament setzt er Ludwigs Enkel Philipp von Anjou als Erben ein. Auch Kaiser Leopold I. beansprucht das Erbe für seinen Sohn Karl.
- 1701Krieg zwischen Frankreich und einer Allianz aus Habsburg, England, den Niederlanden und dem Reich. Bayern und Kurköln kämpfen auf der Seite Frankreichs.
- 13.8.1704Schlacht bei Höchstädt (an der Donau): Prinz Eugen und der englische Herzog von Marlborough besiegen Franzosen und Bayern vernichtend. Bayern wird von Österreich besetzt.
- 1705Bayerische Bauern erheben sich gegen die harte österreichische Besatzung. Bei Sendling vor München werden sie am 25. Dezember niedergemetzelt („Sendlinger Mordweihnacht“).
- 1706–1709Weitere Siege der Alliierten (Ramillies, Turin, Oudenaarde, Malplaquet), doch Frankreich hält stand.
- 1711Kaiser Joseph I. stirbt; sein Bruder Karl wird Kaiser Karl VI. Würde er auch Spanien erhalten, wäre Habsburg übermächtig. England verliert das Interesse am Krieg.
- 1713/14Frieden von Utrecht (1713), Rastatt und Baden (1714).
Ergebnis: Philipp V. wird König von Spanien, darf aber nie zugleich Frankreich regieren.
Wer erhielt was? – Die Friedensschlüsse 1713/14
| Wer | Was |
|---|---|
| Spanien | Bleibt mit seinen Kolonien beim Bourbonen Philipp V., verliert aber seine Besitzungen in Europa außerhalb Spaniens. |
| Österreich | Erhält die Spanischen Niederlande (etwa das heutige Belgien), Mailand, Neapel und Sardinien. |
| Großbritannien | Gewinnt Gibraltar und Menorca sowie Gebiete in Nordamerika – Grundstein seiner Weltmachtstellung. |
| Savoyen | Erhält Sizilien (1720 gegen Sardinien getauscht) und den Königstitel. |
| Preußen | Sein Königstitel wird anerkannt; es erhält Obergeldern. |
| Bayern und Kurköln | Ihre Kurfürsten, die unter Reichsacht gestanden hatten, erhalten ihre Länder zurück. |
Im Spanischen Erbfolgekrieg ging es nicht um Religion, sondern um eine Frage der Machtverteilung: Kein Herrscherhaus sollte so stark werden, dass es Europa beherrscht. Die Friedensschlüsse von 1713/14 gelten deshalb als Durchbruch des Prinzips vom Gleichgewicht der Mächte (englisch balance of power). Es bestimmte die europäische Politik bis ins 19. Jahrhundert. Kriege dieser Art, geführt von Fürsten und ihren Kabinetten um Erbe und Macht, nennt man auch Kabinettskriege.
- Ludwig XIV. führt vier Kriege, um Frankreich nach Osten zu erweitern.
- 1681: Besetzung Straßburgs; 1689/93: Verwüstung der Pfalz und Heidelbergs.
- 1704: Sieg bei Höchstädt; 1713/14: Utrecht und Rastatt → ein Bourbone in Spanien, Österreich erhält Belgien und große Teile Italiens.
- Folge: Das Prinzip des Gleichgewichts der Mächte setzt sich durch.
Die Türkenkriege und der Aufstieg Österreichs
1683 stand ein osmanisches Heer vor Wien. Nur 16 Jahre später hatten die Habsburger fast ganz Ungarn zurückerobert. Aus der Verteidigung wurde ein Siegeszug – und aus den habsburgischen Ländern eine europäische Großmacht im Donauraum.
Ausgangslage: Ein geteiltes Ungarn
Seit dem 16. Jahrhundert war Ungarn dreigeteilt: Der Westen und Norden gehörten den Habsburgern, die Mitte mit Buda (Ofen) war osmanisch, Siebenbürgen ein eigenes Fürstentum unter osmanischer Oberhoheit. An der Grenze sicherten Festungen und eine Militärgrenze mit Wehrbauern das Land. Viele ungarische Adlige misstrauten aber den Habsburgern, die sie streng katholisch und zentralistisch regieren wollten – manche verbündeten sich sogar mit den Osmanen.
Ein erster Krieg (1663/64) endete mit einem Sieg der kaiserlichen Truppen bei Mogersdorf (St. Gotthard) am 1. August 1664, an dem auch Truppen aus dem Reich und aus Frankreich beteiligt waren. Doch der rasch geschlossene Frieden von Eisenburg brachte kaum Gewinne und verärgerte den ungarischen Adel.
1683: Die zweite Belagerung Wiens
Wien in Gefahr
Juli–September 1683- Frühjahr 1683Großwesir Kara Mustafa zieht mit einem gewaltigen Heer nach Westen. Ungarische Aufständische unter Imre Thököly unterstützen ihn.
- 7.7.1683Kaiser Leopold I. verlässt mit seinem Hof Wien und flieht nach Passau.
- 14.7.1683Rund 120.000 osmanische Soldaten schließen Wien ein. Stadtkommandant Ernst Rüdiger von Starhemberg verteidigt die Stadt mit etwa 16.000 Mann, darunter rund 5.000 bewaffnete Bürger.
- Juli–Sept.Zwei Monate lang graben die Osmanen Minen unter die Mauern und stürmen immer wieder. Hunger und Ruhr schwächen die Verteidiger; die Lage wird verzweifelt.
- 12.9.1683Schlacht am Kahlenberg: Ein Entsatzheer aus kaiserlichen, polnischen, bayerischen, sächsischen und weiteren Reichstruppen unter Karl von Lothringen und dem polnischen König Jan III. Sobieski schlägt die Belagerer in die Flucht.
Ergebnis: Wien ist gerettet. Kara Mustafa wird wenige Monate später auf Befehl des Sultans hingerichtet.
Wien hielt stand, weil seine Befestigungen modernisiert worden waren und die Verteidiger entschlossen kämpften. Entscheidend war aber, dass sich ungewöhnlich viele Mächte zusammenschlossen: der Kaiser, Polen, mehrere Reichsfürsten und der Papst, der Geld schickte. Die gemeinsame Bedrohung überwand – für einen Moment – die Rivalitäten. Frankreich dagegen hielt sich fern und nutzte die Lage für seine Reunionen im Westen.
Vom Abwehrkampf zur Rückeroberung
Nach dem Sieg schlossen sich 1684 der Kaiser, Polen, Venedig und der Papst zur Heiligen Liga zusammen; später kam Russland hinzu. Im Großen Türkenkrieg (1683–1699) wurden die Osmanen Schritt für Schritt zurückgedrängt:
Der Große Türkenkrieg
1683–1699- 2.9.1686Eroberung von Ofen (Buda) nach 145 Jahren osmanischer Herrschaft.
- 1687Sieg bei Mohács. Der ungarische Landtag erkennt die Habsburger als erbliche Könige Ungarns an.
- 1688Der bayerische Kurfürst Max Emanuel erobert Belgrad (1690 wieder verloren).
- 1691Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden, der „Türkenlouis“, siegt bei Slankamen.
- 11.9.1697Prinz Eugen von Savoyen vernichtet bei Zenta ein osmanisches Heer.
- 26.1.1699Frieden von Karlowitz: Die Osmanen treten ganz Ungarn (außer dem Banat), Siebenbürgen und den größten Teil Slawoniens an Habsburg ab.
Ein weiterer Krieg unter Prinz Eugen brachte noch größere Gewinne: Nach den Siegen bei Peterwardein (5. August 1716) und der Eroberung Belgrads (1717) erhielt Österreich im Frieden von Passarowitz (21. Juli 1718) das Banat, Nordserbien mit Belgrad und die Kleine Walachei. Damit erreichte die Habsburgermonarchie ihre größte Ausdehnung auf dem Balkan. Ein letzter Krieg an der Seite Russlands endete jedoch mit Niederlagen: Im Frieden von Belgrad (1739) gingen Belgrad, Nordserbien und die Kleine Walachei wieder verloren.
Folgen: Eine neue Großmacht an der Donau
Großmacht Österreich
Mit Ungarn, Böhmen, den österreichischen Ländern und den Gewinnen von 1714 in Italien und Belgien war die Habsburgermonarchie eine der größten Mächte Europas. Ihr Schwerpunkt verlagerte sich nach Südosten – teilweise aus dem Reich hinaus.
Neue Siedler
Die entvölkerten Gebiete in Ungarn und im Banat wurden gezielt neu besiedelt. In drei großen Wellen unter Karl VI., Maria Theresia und Joseph II. kamen schätzungsweise über 150.000 Menschen, meist aus Südwestdeutschland. Sie fuhren oft auf Booten die Donau hinab und wurden später „Donauschwaben“ genannt.
Konflikte in Ungarn
Die Habsburger regierten Ungarn hart. Von 1703 bis 1711 kämpften ungarische Aufständische unter Franz II. Rákóczi gegen Wien. Der Frieden von Sathmar (1711) sicherte dem ungarischen Adel seine alten Rechte – ein Kompromiss, der Ungarn eine Sonderstellung gab.
Wiener Barock
Die Siege und die Überwindung der Pest wurden mit prachtvollen Bauten gefeiert: der Pestsäule am Graben (nach der schweren Pest von 1679), der Karlskirche (nach der Pest von 1713), dem Belvedere des Prinzen Eugen und dem Ausbau von Schönbrunn.
Um 1683 ranken sich viele Legenden – etwa, dass die Wiener Kaffeekultur mit erbeuteten Kaffeesäcken der Osmanen begonnen habe. Tatsächlich ist das erste Wiener Kaffeehaus erst für 1685 belegt, betrieben von einem armenischen Händler. Auch das Bild vom „Abwehrkampf des christlichen Abendlandes“ ist vereinfacht: Christliche Mächte wie Frankreich unterstützten die Osmanen indirekt, und ungarische Protestanten kämpften teils auf osmanischer Seite gegen die katholischen Habsburger.
- 1683: Zweite Belagerung Wiens → Sieg am Kahlenberg (12. September).
- 1699: Frieden von Karlowitz → Ungarn und Siebenbürgen fallen an Habsburg.
- 1718: Frieden von Passarowitz → größte Ausdehnung auf dem Balkan (1739 teilweise wieder verloren).
- Folge: Österreich wird Großmacht im Donauraum; Neubesiedlung durch die „Donauschwaben“.
Der Norden im Umbruch: Schweden, Polen und Russland
Um 1650 beherrschte Schweden die Ostsee und besaß Gebiete im Reich. Siebzig Jahre später war es keine Großmacht mehr – und an seine Stelle trat Russland. Deutsche Fürsten waren an diesem Umbruch eng beteiligt.
Schweden als Macht im Reich
Durch den Westfälischen Frieden besaß Schweden Vorpommern mit Stettin, Wismar sowie Bremen und Verden. Es kontrollierte damit die Mündungen von Oder, Elbe und Weser und war zugleich Reichsstand. Seine Nachbarn – vor allem Brandenburg und Dänemark – sahen darin eine ständige Bedrohung.
- Im Zweiten Nordischen Krieg (1655–1660) kämpfte Schweden gegen Polen. Brandenburg wechselte geschickt die Seiten und erreichte, dass Polen 1657 die volle Souveränität des Kurfürsten im Herzogtum Preußen anerkannte (Vertrag von Wehlau, bestätigt im Frieden von Oliva 1660).
- Als Schweden 1675 auf Seiten Frankreichs in Brandenburg einfiel, wurde es bei Fehrbellin geschlagen. Brandenburg eroberte danach ganz Vorpommern – musste es aber 1679 auf Druck Frankreichs wieder zurückgeben. Die Lehre: Ein Mittelstaat war ohne starke Verbündete machtlos.
Der Große Nordische Krieg (1700–1721)
1700 griffen Dänemark, Russland und Sachsen-Polen gemeinsam Schweden an, um dessen Vormacht an der Ostsee zu brechen. Der junge schwedische König Karl XII. erwies sich jedoch als glänzender Feldherr.
Phase I: Die Siege Karls XII.
1700–1709- 1700Karl XII. zwingt Dänemark zum Frieden und schlägt ein weit überlegenes russisches Heer bei Narva.
- 1701–1706Er zieht durch Polen bis nach Sachsen. Im Frieden von Altranstädt (1706) muss August der Starke auf die polnische Krone verzichten; Sachsen wird besetzt und ausgeplündert.
- 8.7.1709Schlacht bei Poltawa (heute Ukraine): Das russische Heer unter Peter dem Großen vernichtet die schwedische Armee. Karl XII. flieht ins Osmanische Reich.
Phase II: Der Niedergang Schwedens
1709–1721- 1709August der Starke wird wieder König von Polen. Dänemark tritt erneut in den Krieg ein.
- 1708–1713Eine schwere Pest wütet im ganzen Ostseeraum; in Ostpreußen stirbt nach Schätzungen etwa ein Drittel der Bevölkerung.
- 1715Auch Preußen und Hannover kämpfen nun gegen Schweden; Stralsund wird erobert.
- 1718Karl XII. fällt bei einer Belagerung in Norwegen.
- 1719/20Frieden von Stockholm: Hannover erhält Bremen und Verden, Preußen Vorpommern bis zur Peene mit Stettin.
- 1721Frieden von Nystad: Russland erhält Livland, Estland und Ingermanland – den Zugang zur Ostsee.
Ergebnis: Schweden verliert seine Großmachtstellung; Russland wird zur führenden Macht im Ostseeraum.
Neue Akteure im Norden und Osten
Russland unter Peter dem Großen
Peter I. (Zar ab 1682) reiste 1697/98 inkognito durch Deutschland, die Niederlande und England, um Schiffbau und Technik zu lernen. Er gründete 1703 Sankt Petersburg als „Fenster nach Europa“ und modernisierte Heer und Verwaltung nach westlichem Vorbild. Viele Deutsche, vor allem aus dem Baltikum, traten in russische Dienste. Ab 1721 nannte er sich Kaiser.
Sachsen-Polen
Um polnischer König zu werden, trat Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen („August der Starke“) 1697 zum Katholizismus über – das Land, Kernland der Reformation, blieb lutherisch. Die Verbindung mit Polen brachte Glanz, aber auch Kriege und hohe Kosten. Nach seinem Tod setzte sich sein Sohn im Polnischen Thronfolgekrieg (1733–1735) als August III. durch.
Hannover und Großbritannien
Das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg (Hannover) erhielt 1692 eine neue, neunte Kurwürde. 1714 wurde Kurfürst Georg Ludwig König von Großbritannien. Bis 1837 regierten die britischen Könige zugleich in Hannover.
Drei deutsche Fürstenhäuser – Sachsen, Hannover und Brandenburg – trugen nun Königskronen außerhalb des Reiches (Polen, Großbritannien, Preußen). Das zeigt, wie eng die Reichsfürsten mit der europäischen Politik verflochten waren. Es zeigt aber auch, dass ihr Blick oft über das Reich hinausging: Ihre Interessen lagen zunehmend in Warschau, London oder Königsberg.
- 1660: Frieden von Oliva → Brandenburg ist souverän im Herzogtum Preußen.
- 1700–1721: Großer Nordischer Krieg; 1709 Poltawa → Ende der schwedischen Großmacht.
- 1720/21: Preußen erhält Stettin, Hannover Bremen-Verden, Russland das Baltikum.
- Königskronen: Sachsen (Polen 1697), Brandenburg (Preußen 1701), Hannover (Großbritannien 1714).
Der Aufstieg Brandenburg-Preußens
1640 war Brandenburg ein ausgeplündertes, armes Kurfürstentum aus weit verstreuten Landesteilen. Hundert Jahre später besaß Preußen eine der stärksten Armeen Europas. Wie war das möglich?
Ein Staat aus vielen Teilen
Die Hohenzollern herrschten über Gebiete, die nicht miteinander verbunden waren und von der Maas bis an die Memel reichten:
| Gebiet | Lage und Bedeutung |
|---|---|
| Kurmark Brandenburg | Kernland mit Berlin und Potsdam; arm an Bodenschätzen, sandige Böden („Streusandbüchse des Reiches“). |
| Herzogtum Preußen | Das spätere Ostpreußen mit Königsberg; lag außerhalb des Reiches und war bis 1657 polnisches Lehen. |
| Kleve, Mark, Ravensberg | Kleine, aber wirtschaftlich entwickelte Gebiete im Westen am Rhein. |
| Hinterpommern, Halberstadt, Minden, Magdeburg | Gewinne aus dem Westfälischen Frieden (Magdeburg 1680). |
Diese Landesteile hatten eigene Stände, Gesetze und Traditionen. Was sie zusammenhielt, waren der gemeinsame Herrscher – und bald die gemeinsame Armee und Verwaltung.
Der Große Kurfürst (1640–1688)
Friedrich Wilhelm übernahm ein verwüstetes, von fremden Truppen besetztes Land. Er baute systematisch einen Staat auf, dessen Kern ein stehendes Heer war – am Ende seiner Regierung rund 30.000 Mann.
- Der Handel mit dem Adel (1653): Die brandenburgischen Stände bewilligten Geld für das Heer. Dafür bestätigte der Kurfürst die Rechte der adligen Gutsbesitzer (Gutsherrschaft) über ihre Bauern. Dieser Kompromiss prägte Preußen über 150 Jahre: Der Adel diente als Offiziere, die Bauern trugen die Lasten.
- Steuern und Verwaltung: In den Städten führte er die Akzise ein, eine Steuer auf Waren. Ein Kriegskommissariat verwaltete das Geld für die Armee und wurde zur Keimzelle der preußischen Verwaltung.
- Außenpolitik: Souveränität in Preußen (1657/60), Sieg über die Schweden bei Fehrbellin am 28. Juni 1675 – danach nannte man ihn den „Großen Kurfürsten“.
- Wirtschaft: Er ließ einen Kanal zwischen Oder und Spree bauen, förderte Manufakturen und gründete sogar eine Kolonie in Westafrika (Groß Friedrichsburg im heutigen Ghana), die dem Sklavenhandel diente.
Das Edikt von Potsdam 1685
Als Ludwig XIV. die Hugenotten verfolgte, reagierte der reformierte Kurfürst sofort. Im Edikt von Potsdam (29. Oktober 1685) lud er die Glaubensflüchtlinge nach Brandenburg ein: Sie erhielten zwölf Jahre Steuerfreiheit, eigene Kirchen und Prediger. Rund 20.000 Hugenotten kamen. Um 1700 war etwa jeder fünfte Einwohner Berlins französischer Herkunft. Sie brachten Handwerk, Manufakturwissen und Bildung mit. Schon 1671 hatte der Kurfürst 50 jüdische Familien aufgenommen, die aus Wien vertrieben worden waren.
Beides. Der Kurfürst war als Reformierter selbst Angehöriger einer Minderheit in einem lutherischen Land und fühlte sich den verfolgten Glaubensbrüdern verbunden. Zugleich brauchte das entvölkerte Land dringend fleißige, gut ausgebildete Menschen. Diese Verbindung von religiöser Toleranz und wirtschaftlichem Nutzen wurde zu einem Kennzeichen der preußischen Politik.
Friedrich I.: Die Königskrone (1701)
Sein Sohn Friedrich III. (1688–1713) wollte mehr sein als ein Kurfürst. Weil das Herzogtum Preußen außerhalb des Reiches lag, konnte er sich dort zum König machen, ohne den Kaiser als Lehnsherrn zu brauchen. Der Kaiser stimmte im Krontraktat von 1700 zu – gegen das Versprechen von Truppen für den bevorstehenden Spanischen Erbfolgekrieg.
Am 18. Januar 1701 setzte sich Friedrich in Königsberg selbst die Krone auf und nannte sich nun Friedrich I., „König in Preußen“. Das „in“ war Absicht: Der westliche Teil Preußens gehörte noch zu Polen. Die Feiern kosteten rund sechs Millionen Taler – mehr als das Anderthalbfache der jährlichen Staatseinnahmen.
Friedrich I. förderte Kunst und Wissenschaft: Er gründete die Universität Halle (1694), die Akademie der Künste (1696) und auf Anregung von Gottfried Wilhelm Leibniz die Sozietät der Wissenschaften in Berlin (1700). Berlin wurde zu einer barocken Residenzstadt mit Schloss Charlottenburg und dem ausgebauten Stadtschloss.
Friedrich Wilhelm I.: Der „Soldatenkönig“ (1713–1740)
Der neue König war das Gegenteil seines Vaters: sparsam, streng und ganz auf das Militär ausgerichtet. Gleich nach seinem Amtsantritt senkte er die Ausgaben des Hofes von 276.000 auf 55.000 Taler im Jahr.
Die Armee
Er verdoppelte das Heer von rund 40.000 auf über 80.000 Mann. Berühmt war sein Leibregiment der „Langen Kerls“ in Potsdam, für das er besonders große Soldaten in ganz Europa anwerben ließ.
Das Kantonsystem (1733)
Das Land wurde in Bezirke („Kantone“) eingeteilt, aus denen jedes Regiment seine Rekruten holte. Junge Männer vom Land wurden so zum Dienst verpflichtet, verbrachten aber den größten Teil des Jahres als „Beurlaubte“ auf ihren Höfen (Kantonsystem).
Die Verwaltung
1722/23 fasste er alle Finanz- und Militärbehörden im Generaldirektorium zusammen. Beamte sollten pflichtbewusst, sparsam und gehorsam sein – Tugenden, die später als „preußisch“ galten.
Land und Leute
Er siedelte Kolonisten in den durch die Pest entvölkerten Gebieten Ostpreußens an, darunter rund 15.000 aus Salzburg vertriebene Protestanten (1732). 1717 ordnete er eine allgemeine Schulpflicht an, die aber nur langsam umgesetzt wurde.
Der weitaus größte Teil der Staatseinnahmen floss in das Militär. Preußen hatte um 1740 nur etwa zwei Millionen Einwohner (die Schätzungen schwanken), aber eine der größten Armeen Europas. Die Disziplin war brutal, Fahnenflucht wurde hart bestraft. Später wurde oft ein Spruch zitiert, der dem Franzosen Mirabeau zugeschrieben wird: Preußen sei kein Land, das eine Armee habe, sondern eine Armee, die ein Land habe. Auch das Verhältnis des Königs zu seinem Sohn war von Härte geprägt: Als der 18-jährige Kronprinz Friedrich 1730 fliehen wollte, ließ der König dessen Freund Hans Hermann von Katte vor seinen Augen hinrichten.
- Großer Kurfürst: stehendes Heer, Bündnis mit dem Adel, Sieg bei Fehrbellin 1675, Edikt von Potsdam 1685.
- 1701: Friedrich I. krönt sich in Königsberg zum „König in Preußen“.
- Soldatenkönig (1713–1740): Sparsamkeit, Armee von über 80.000 Mann, Kantonsystem 1733.
- Folge: Ein kleiner, armer Staat wird zur militärischen Großmacht.
Maria Theresia, Friedrich II. und der Kampf um Schlesien
1740 kamen in Wien und Berlin zwei junge Herrscher an die Macht. Ihr Kampf um Schlesien machte Österreich und Preußen zu dauerhaften Rivalen – der Beginn des deutschen Dualismus.
9.1 Das Problem der Habsburger: Kein Sohn
Kaiser Karl VI. (1711–1740) hatte keinen Sohn. Damit seine Länder nach seinem Tod nicht auseinanderfielen, erließ er 1713 die Pragmatische Sanktion: Alle habsburgischen Länder sollten ungeteilt bleiben und notfalls an eine Tochter fallen. Jahrzehntelang bemühte sich Karl darum, dass die Stände seiner Länder, das Reich und die europäischen Mächte dieses Gesetz anerkannten – und machte dafür viele Zugeständnisse. So musste sein Schwiegersohn Franz Stephan sein Herzogtum Lothringen abgeben und erhielt dafür die Toskana.
9.2 Das Jahr 1740: Zwei neue Herrscher
Friedrich II. in Preußen
Der 28-jährige Friedrich war musisch und philosophisch gebildet, spielte Flöte, schrieb auf Französisch und war mit Voltaire befreundet. In seiner Schrift „Antimachiavel“ verurteilte er Eroberungskriege. Kurz nach dem Amtsantritt schaffte er die Folter weitgehend ab und erklärte, in Preußen solle „jeder nach seiner Fasson selig werden“.
Maria Theresia in Österreich
Nach dem Tod Karls VI. übernahm seine 23-jährige Tochter die Herrschaft. Sie hatte keine Erfahrung im Regieren, die Staatskasse war leer, die Armee schwach – und mehrere Fürsten bestritten ihr Erbe trotz der Pragmatischen Sanktion.
9.3 Der Griff nach Schlesien
Am 16. Dezember 1740 marschierte Friedrich II. ohne Kriegserklärung in das habsburgische Schlesien ein. Er berief sich auf alte, kaum haltbare Erbansprüche. Der eigentliche Grund war die günstige Gelegenheit: Schlesien war reich, dicht besiedelt und durch Leinenweberei und Bergbau wirtschaftlich bedeutend – sein Besitz hätte Preußens Macht stark vergrößert.
Phase I: Erster Schlesischer Krieg
1740–1742- 10.4.1741Sieg Preußens bei Mollwitz. Daraufhin verbünden sich Bayern, Sachsen, Frankreich und Spanien gegen Maria Theresia – der Österreichische Erbfolgekrieg beginnt.
- 1741Maria Theresia wird zur Königin von Ungarn gekrönt und gewinnt mit einem eindrucksvollen Auftritt vor dem ungarischen Landtag in Pressburg dessen militärische Hilfe.
- 24.1.1742Der bayerische Kurfürst Karl Albrecht wird als Karl VII. zum Kaiser gewählt – erstmals seit 300 Jahren kein Habsburger. Fast zur selben Zeit wie seine Krönung besetzen österreichische Truppen seine Hauptstadt München – ein „Kaiser ohne Land“.
- 1742Frieden von Breslau und Berlin: Maria Theresia muss fast ganz Schlesien und die Grafschaft Glatz an Preußen abtreten.
Phase II: Zweiter Schlesischer Krieg
1744–1745- 1744Weil Österreich militärisch wieder erstarkt, greift Friedrich erneut an, um Schlesien zu sichern.
- 20.1.1745Kaiser Karl VII. stirbt. Bayern schließt Frieden mit Österreich.
- 4.6.1745Preußischer Sieg bei Hohenfriedberg; im Dezember folgt der Sieg bei Kesselsdorf über die Sachsen.
- 13.9.1745Maria Theresias Ehemann wird als Franz I. zum Kaiser gewählt. Die Kaiserwürde kehrt an das Haus Habsburg(-Lothringen) zurück.
- 25.12.1745Frieden von Dresden: Preußen behält Schlesien und erkennt Franz I. als Kaiser an.
Der Österreichische Erbfolgekrieg ging an anderen Schauplätzen – in den Niederlanden, in Italien und in den Kolonien – noch bis 1748 weiter. Der Frieden von Aachen (18. Oktober 1748) bestätigte Maria Theresias Erbe, aber auch den preußischen Besitz Schlesiens.
9.4 Reformen in Wien und Berlin (1748–1755)
Beide Seiten nutzten die Friedensjahre, um ihre Staaten zu stärken:
| Österreich unter Maria Theresia | Preußen unter Friedrich II. |
|---|---|
| Staatsreform unter Graf Haugwitz (ab 1749): Die österreichischen und böhmischen Länder erhalten eine gemeinsame zentrale Behörde; die Stände verlieren Einfluss, Steuern fließen regelmäßig an den Staat. | Justizreform unter Samuel von Cocceji (ab 1746): schnellere, einheitlichere Gerichtsverfahren, besser ausgebildete Richter. |
| Reform der Armee nach preußischem Vorbild; Gründung einer Militärakademie in Wiener Neustadt (1751/52). | Landesausbau: Trockenlegung des Oderbruchs (1747–1753) und Ansiedlung von Tausenden Kolonisten. |
| Wenzel Anton von Kaunitz wird 1753 Staatskanzler und plant ein Bündnis mit dem alten Feind Frankreich, um Schlesien zurückzugewinnen. | Friedrich baut Schloss Sanssouci (1745–1747) und holt Voltaire an seinen Hof (1750–1753) – Potsdam wird ein Zentrum der Aufklärung. |
Mit dem Raub Schlesiens begann die Rivalität zweier deutscher Großmächte, die das Reich und später Deutschland über hundert Jahre prägte. Man nennt sie den deutschen Dualismus. Erst 1866 wurde er im Deutschen Krieg zugunsten Preußens entschieden. Für die kleineren Reichsstände bedeutete der Dualismus, dass sie sich zwischen Wien und Berlin entscheiden oder geschickt zwischen beiden lavieren mussten.
Friedrich II. ist bis heute umstritten. Er verband aufgeklärte Ideen mit rücksichtsloser Machtpolitik: Der Verfasser des „Antimachiavel“ begann kurz nach seinem Amtsantritt einen Angriffskrieg ohne Kriegserklärung. Er selbst schrieb, ihn hätten Ehrgeiz, Ruhmbegierde und die günstige Gelegenheit getrieben. Erst nach weiteren Kriegen erhielt er den Beinamen „der Große“.
- 1713: Pragmatische Sanktion → Maria Theresia soll das ungeteilte Erbe erhalten.
- 1740: Friedrich II. marschiert in Schlesien ein → Schlesische Kriege und Österreichischer Erbfolgekrieg.
- 1742–1745: Karl VII. aus Bayern ist Kaiser; danach Franz I. (Habsburg-Lothringen).
- 1745/1748: Dresden und Aachen → Schlesien bleibt preußisch; Beginn des Dualismus.
Gesellschaft, Glaube und Kultur
Hinter Kriegen und Fürstenhöfen stand der Alltag von Millionen Menschen. Er war geprägt von harter Arbeit, Krisen und Wanderungen – aber auch von neuer Frömmigkeit, barocker Pracht und den ersten Gedanken der Aufklärung.
10.1 Leben auf dem Land
Mindestens vier von fünf Menschen lebten auf dem Land und arbeiteten in der Landwirtschaft. Wie frei sie waren, hing stark davon ab, wo sie lebten:
| Region | Ordnung | Bedeutung für die Bauern |
|---|---|---|
| Westlich der Elbe | Grundherrschaft | Die Bauern bewirtschafteten ihre Höfe weitgehend selbst und zahlten dem Grundherrn Abgaben in Geld oder Naturalien. |
| Östlich der Elbe | Gutsherrschaft | Der adlige Gutsherr war zugleich Grundherr, Richter und Polizei. Die Bauern mussten oft mehrere Tage pro Woche auf seinen Feldern arbeiten und durften ohne Erlaubnis weder wegziehen noch heiraten. |
Das Leben blieb unsicher. Das Klima war in der „Kleinen Eiszeit“ kühler als heute; der extrem kalte Winter 1708/09 („Großer Frost“) führte in vielen Teilen Europas zu Missernten und Hunger. Die Pest kehrte mehrmals zurück. Nach der Epidemie von 1713 verschwand sie jedoch aus Mitteleuropa – auch dank eines streng bewachten „Pestkordons“ an der Grenze zum Osmanischen Reich.
10.2 Wirtschaft: Manufakturen, Handel und Merkantilismus
- Die Fürsten förderten nach den Regeln des Merkantilismus und Kameralismus die heimische Produktion: Möglichst viele Waren sollten im eigenen Land hergestellt und möglichst wenige eingeführt werden.
- In Manufakturen arbeiteten viele Menschen arbeitsteilig, aber noch ohne Maschinen – etwa in Textil-, Glas- oder Porzellanbetrieben. 1710 gründete August der Starke die Porzellanmanufaktur Meißen, die erste in Europa.
- Auf dem Land wuchs das Heimgewerbe: Bauernfamilien spannen und webten im Auftrag von Kaufleuten, vor allem in Schlesien, Sachsen und Westfalen.
- Handelsstädte wie Hamburg, Leipzig (mit seiner Messe) und Frankfurt am Main blühten auf. Neue Genussmittel wie Kaffee, Tee und Kakao kamen in Mode; ab den 1670er-Jahren entstanden auch in deutschen Städten Kaffeehäuser.
10.3 Menschen in Bewegung
Diese Epoche war eine Zeit großer Wanderungen – oft erzwungen durch Glaubensverfolgung, oft gelenkt durch die Peuplierungspolitik der Fürsten:
Glaubensflüchtlinge
Französische Hugenotten (nach 1685), vertriebene Protestanten aus Salzburg (1731/32) und aus den habsburgischen Ländern fanden vor allem in Brandenburg-Preußen, Hessen und anderen protestantischen Gebieten eine neue Heimat.
Siedler im Osten und Südosten
Kolonisten zogen in die entvölkerten Gebiete Ostpreußens und in das von den Osmanen zurückeroberte Ungarn und Banat.
Auswanderer nach Amerika
1683 gründeten Familien aus Krefeld bei Philadelphia die Siedlung Germantown. Nach dem Hungerwinter 1709 zogen Tausende Menschen aus der Pfalz über England nach Nordamerika. „Pfälzer“ wurde dort lange zum Wort für deutsche Einwanderer überhaupt.
10.4 Glaube und Frömmigkeit
Die drei Konfessionen lebten nun in festen Grenzen nebeneinander. Innerhalb der Kirchen entstanden aber neue Strömungen:
- Pietismus: Der lutherische Theologe Philipp Jakob Spener forderte 1675 in seiner Schrift „Pia desideria“ („Fromme Wünsche“) einen lebendigen, persönlichen Glauben statt bloßer Lehrsätze. Gläubige trafen sich in kleinen Kreisen zum Bibellesen. In Halle gründete August Hermann Francke 1698 ein Waisenhaus, aus dem die Franckeschen Stiftungen mit Schulen und Werkstätten hervorgingen. Der Pietismus prägte Bildung, Sozialfürsorge und das Pflichtbewusstsein der preußischen Beamten. 1722 entstand in der Oberlausitz die Herrnhuter Brüdergemeine des Grafen Zinzendorf.
- Katholische Barockfrömmigkeit: In den katholischen Ländern prägten Wallfahrten, Prozessionen, prächtige Kirchen und Klöster das religiöse Leben, etwa in Melk, Ottobeuren oder der Wieskirche.
- Das Ende der Hexenverfolgung: Nach 1680 gingen die Hexenprozesse deutlich zurück. Gelehrte wie Christian Thomasius kritisierten sie scharf. Die letzte Hinrichtung einer angeblichen Hexe in Franken fand 1749 in Würzburg statt.
Juden lebten im Reich meist nur geduldet, gegen hohe Schutzgelder und unter vielen Einschränkungen. 1670 ließ Kaiser Leopold I. die Juden aus Wien vertreiben. Zugleich waren einige jüdische Bankiers als Hofjuden für die Fürsten unentbehrlich – etwa Samuel Oppenheimer, der die Türkenkriege des Kaisers mitfinanzierte. Ihre Stellung war jedoch gefährlich: Joseph Süß Oppenheimer, Finanzberater des Herzogs von Württemberg, wurde nach dessen Tod in einem antisemitisch geprägten Prozess verurteilt und 1738 in Stuttgart hingerichtet.
10.5 Barock: Kunst der Pracht und der Vergänglichkeit
Der Barock war der Stil des Zeitalters. Er wollte die Sinne überwältigen – mit Bewegung, Licht, Gold und Farbe. Zugleich erinnerte er an die Vergänglichkeit allen Lebens (lateinisch vanitas), eine Erfahrung, die nach dem Dreißigjährigen Krieg tief saß.
Architektur
Schlösser und Kirchen wie die Würzburger Residenz, der Dresdner Zwinger (1711–1728), die Dresdner Frauenkirche (1726–1743), das Belvedere und die Karlskirche in Wien.
Musik
Johann Sebastian Bach (Thomaskantor in Leipzig ab 1723) und Georg Friedrich Händel, der ab 1712 in London wirkte, wurden beide 1685 geboren. Hinzu kamen Komponisten wie Georg Philipp Telemann.
Medien
1650 erschien in Leipzig die erste Tageszeitung der Welt. Zeitungen, Flugblätter und gelehrte Zeitschriften verbreiteten Nachrichten und neue Ideen immer schneller.
10.6 Die frühe Aufklärung
Schon im Zeitalter des Barock begann eine neue Denkweise: die Aufklärung. Sie setzte auf die menschliche Vernunft, auf Beobachtung und Erfahrung statt auf bloße Überlieferung.
- Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716) war Philosoph, Mathematiker, Jurist und Diplomat. Er entwickelte die Differentialrechnung und regte die Gründung der Berliner Akademie an. In seiner „Theodizee“ (1710) erklärte er, Gott habe trotz allen Übels die „beste aller möglichen Welten“ geschaffen.
- Christian Thomasius kündigte 1687 in Leipzig als einer der Ersten eine Vorlesung in deutscher statt lateinischer Sprache an. In Halle, der 1694 gegründeten Reformuniversität, kämpfte er gegen Hexenprozesse und Folter.
- Christian Wolff machte die Philosophie der Vernunft in Deutschland bekannt. 1723 wurde er auf Druck der Pietisten aus Preußen vertrieben, 1740 holte ihn Friedrich II. zurück – ein Zeichen für den Wandel.
- Die Universität Göttingen (1737 eröffnet) wurde zu einer der modernsten Hochschulen Europas.
- Aus England kamen wichtige Anstöße: Isaac Newtons Naturgesetze (1687) und John Lockes Lehre von den natürlichen Rechten des Menschen.
Am 1. November 1755, dem Allerheiligentag, zerstörten ein schweres Erdbeben, eine Flutwelle und Brände die portugiesische Hauptstadt Lissabon. Schätzungen gehen von bis zu 60.000 Toten aus (die Angaben schwanken stark). Die Katastrophe erschütterte ganz Europa – auch geistig: Wie konnte ein gütiger Gott so viel Leid zulassen? War dies wirklich die „beste aller möglichen Welten“? Voltaire verspottete den Optimismus von Leibniz, und der junge Immanuel Kant versuchte, das Beben naturwissenschaftlich zu erklären. Die Frage nach der Theodizee und der Wunsch, die Natur mit der Vernunft zu verstehen, prägten von nun an die Aufklärung.
- Alltag: Über 80 % leben auf dem Land; östlich der Elbe herrscht die Gutsherrschaft. Die Pest verschwindet nach 1713 aus Mitteleuropa.
- Wanderungen: Hugenotten, Salzburger, Donauschwaben, Auswanderer nach Amerika.
- Glaube: Pietismus (Spener 1675, Francke 1698); Ende der Hexenverfolgung.
- Kultur: Barock (Bach, Händel, Residenzen) und frühe Aufklärung (Leibniz, Thomasius, Wolff).
Bilanz: Was hat sich verändert?
Vergleicht man das Reich von 1649 mit dem von 1755, wird deutlich, wie stark sich in einem Jahrhundert die Gewichte verschoben haben – im Reich wie in Europa.
| Bereich | Um 1649 | Um 1755 |
|---|---|---|
| Bevölkerung | Etwa 10–11 Millionen; viele Gebiete verwüstet und entvölkert. | Der Vorkriegsstand ist seit den 1720er-Jahren wieder erreicht; die Bevölkerung wächst weiter. |
| Reich | Neue Ordnung von 1648, Kaiser an den Reichstag gebunden. | Immerwährender Reichstag und Reichsgerichte sichern die kleinen Stände; das Reich ist eine Rechts- und Friedensordnung, aber politisch schwach. |
| Mächte im Reich | Viele mittlere Fürstentümer; Schweden und Frankreich mischen mit. | Zwei Großmächte – Österreich und Preußen – stehen sich gegenüber (Dualismus). Sachsen, Hannover und Bayern sind mit fremden Kronen oder dem Kaisertum verbunden. |
| Staat | Landstände bewilligen Steuern; kaum feste Verwaltung. | Absolutistisch regierte Territorien mit Beamten, regelmäßigen Steuern und stehenden Heeren. |
| Europa | Frankreich und Schweden sind Vormächte; Spanien geschwächt. | Gleichgewicht von fünf Großmächten: Frankreich, Großbritannien, Österreich, Russland und Preußen. Schweden und Spanien sind zweitrangig. |
| Südosten | Osmanen herrschen über den größten Teil Ungarns. | Ungarn ist habsburgisch; die osmanische Gefahr für Mitteleuropa ist gebannt. |
| Denken und Kultur | Glaubensstreit, Barockfrömmigkeit, Latein als Gelehrtensprache. | Pietismus und Aufklärung; Vernunft und Wissenschaft gewinnen an Gewicht; Deutsch wird Sprache der Universitäten. |
Sechs große Entwicklungslinien
1. Vom Krieg zum Wiederaufbau
Das Reich erholt sich langsam, aber nachhaltig von der Katastrophe des Dreißigjährigen Krieges.
2. Vom Ständestaat zum Fürstenstaat
Die Landesherren bündeln die Macht in ihren Händen; Verwaltung, Steuern und Heer werden staatlich.
3. Vom Reich zu den Territorien
Politische Macht entsteht in Wien, Berlin, Dresden und München – nicht beim Kaiser als Reichsoberhaupt.
4. Von der Bedrohung zur Großmacht
Österreich wehrt die Osmanen ab und wird zur Großmacht an der Donau; Preußen steigt mit seiner Armee auf.
5. Vom Hegemoniestreben zum Gleichgewicht
Die Vormacht Frankreichs wird gebrochen; Europa ordnet sich nach dem Gleichgewicht der Mächte.
6. Vom Glauben zur Vernunft
Neben barocker Frömmigkeit und Pietismus tritt die Aufklärung; Toleranz wird – oft aus Nützlichkeit – zur Staatspolitik.
1756 vollzieht sich eine „Umkehrung der Bündnisse“: Österreich verbündet sich mit seinem alten Gegner Frankreich, Preußen mit Großbritannien. Im selben Jahr beginnt der Siebenjährige Krieg (1756–1763), in dem Preußen nur knapp überlebt und Schlesien endgültig behält. Danach folgt die Zeit des aufgeklärten Absolutismus unter Friedrich II., Maria Theresia und Joseph II. – bis die Französische Revolution von 1789 die alte Ordnung erschüttert und das Heilige Römische Reich 1806 endet.
Zeitleiste 1649–1755
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Wichtige Personen
Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst
Baute Brandenburg nach dem Krieg mit stehendem Heer und Verwaltung neu auf; Sieger von Fehrbellin, Urheber des Edikts von Potsdam.
Jan III. Sobieski
König von Polen; führte 1683 das Entsatzheer am Kahlenberg mit an.
Philipp Jakob Spener
Begründer des lutherischen Pietismus mit seiner Schrift „Pia desideria“ (1675).
Ludwig XIV. von Frankreich
Der „Sonnenkönig“; Vorbild des Absolutismus und Urheber zahlreicher Eroberungskriege gegen das Reich.
Ernst Rüdiger von Starhemberg
Verteidigte Wien 1683 zwei Monate lang gegen das osmanische Heer.
Leopold I.
Kaiser ab 1658; führte das Reich durch die Kriege gegen Frankreich und die Osmanen. Unter ihm wurde Ungarn habsburgisch.
Gottfried Wilhelm Leibniz
Universalgelehrter; Mitbegründer der Differentialrechnung, Anreger der Berliner Akademie, Verfasser der „Theodizee“.
Wilhelm III. von Oranien
Statthalter der Niederlande und ab 1689 König von England; Kopf der Bündnisse gegen Ludwig XIV.
Liselotte von der Pfalz
Pfälzische Prinzessin am französischen Hof; in ihrem Namen wurde der Pfälzische Erbfolgekrieg geführt. Ihre Briefe sind eine wichtige Quelle zum Leben in Versailles.
Christian Thomasius
Wegbereiter der Aufklärung; lehrte auf Deutsch und bekämpfte Hexenprozesse und Folter.
Friedrich I. in Preußen
Krönte sich 1701 in Königsberg zum König; förderte Kunst, Wissenschaft und die Residenz Berlin.
Max Emanuel von Bayern
Erfolgreicher Feldherr gegen die Osmanen; im Spanischen Erbfolgekrieg auf Seiten Frankreichs, verlor 1704 bei Höchstädt.
Prinz Eugen von Savoyen
Bedeutendster Feldherr Österreichs; Sieger von Zenta, Höchstädt und Belgrad, Bauherr des Belvedere.
August Hermann Francke
Pietist und Pädagoge; gründete in Halle Waisenhaus, Schulen und die Franckeschen Stiftungen.
August der Starke
Kurfürst von Sachsen und König von Polen; machte Dresden zur Barockmetropole und gründete die Porzellanmanufaktur Meißen.
Peter der Große
Modernisierte Russland nach westlichem Vorbild und machte es durch den Sieg über Schweden zur Großmacht.
Karl XII. von Schweden
Begabter Feldherr, unter dem Schweden nach der Niederlage bei Poltawa seine Großmachtstellung verlor.
Karl VI.
Letzter männlicher Habsburger; sicherte mit der Pragmatischen Sanktion die Erbfolge seiner Tochter Maria Theresia.
Johann Sebastian Bach
Thomaskantor in Leipzig; einer der bedeutendsten Komponisten der Musikgeschichte.
Georg Friedrich Händel
In Halle geboren, in London erfolgreich; Opern, Oratorien wie der „Messiah“ und die „Wassermusik“.
Friedrich Wilhelm I.
Der „Soldatenkönig“; verdoppelte die preußische Armee und schuf eine sparsame, straffe Verwaltung.
Friedrich II. (der Große)
Aufgeklärter Herrscher und rücksichtsloser Machtpolitiker; eroberte 1740–1742 Schlesien.
Maria Theresia
Behauptete 1740–1748 das habsburgische Erbe und reformierte Staat und Heer. Ihr Mann Franz I. wurde 1745 Kaiser.
Glossar
- Absolutismus
- Herrschaftsform, in der der Fürst die ganze Staatsgewalt beansprucht, ohne an die Mitwirkung der Stände gebunden zu sein. Der Begriff entstand erst im 19. Jahrhundert.
- Akzise
- Verbrauchssteuer auf Waren wie Bier, Fleisch oder Getreide, die vor allem in den Städten erhoben wurde, etwa in Brandenburg-Preußen.
- Aufklärung
- Geistige Bewegung des 17. und 18. Jahrhunderts, die auf Vernunft, Wissenschaft und Kritik statt auf bloße Überlieferung und Autorität setzte.
- Barock
- Kunststil von etwa 1600 bis 1750, geprägt von Pracht, Bewegung, Licht und Farbe; zugleich Ausdruck des Gedankens der Vergänglichkeit.
- Dualismus
- Hier: die Rivalität der beiden deutschen Großmächte Österreich und Preußen von 1740 bis 1866.
- Erbfolgekrieg
- Krieg um das Erbe eines Herrscherhauses, wenn kein eindeutiger Erbe vorhanden war oder mehrere Mächte Ansprüche erhoben.
- Gleichgewicht der Mächte
- Grundsatz der europäischen Politik, nach dem keine einzelne Macht so stark werden sollte, dass sie die anderen beherrscht.
- Gutsherrschaft
- Agrarordnung östlich der Elbe: Der adlige Gutsherr war zugleich Grund-, Gerichts- und Polizeiherr; die Bauern mussten auf seinen Feldern Frondienste leisten.
- Hofgesellschaft
- Die Gemeinschaft von Adligen, Beamten und Bediensteten am Hof eines Fürsten, mit strenger Rangordnung und festen Zeremonien.
- Hofjuden
- Jüdische Kaufleute und Bankiers, die Fürsten mit Krediten, Waren und Heeresbedarf versorgten. Sie waren einflussreich, aber rechtlich ungeschützt.
- Hugenotten
- Französische Protestanten (Calvinisten). Nach 1685 flohen viele von ihnen aus Frankreich, unter anderem nach Brandenburg-Preußen.
- Kabinettskrieg
- Krieg, den Fürsten und ihre Ratgeber („Kabinett“) aus machtpolitischen Gründen mit stehenden Heeren führten – meist um Erbe, Land oder Ansehen.
- Kameralismus
- Deutsche Form des Merkantilismus: Lehre von der Verwaltung und Wirtschaftsförderung des Staates mit dem Ziel einer gefüllten Staatskasse („Kammer“).
- Kantonsystem
- Preußisches Rekrutierungssystem ab 1733: Jedes Regiment erhielt einen Bezirk (Kanton), aus dem es junge Männer zum Militärdienst holen konnte.
- Kurfürsten
- Die Fürsten, die den römisch-deutschen König und Kaiser wählten; 1648 waren es acht, ab 1692 neun.
- Landstände
- Vertretung von Adel, Geistlichkeit und Städten in einem Territorium. Sie mussten traditionell neuen Steuern zustimmen.
- Manufaktur
- Großbetrieb, in dem viele Arbeiter arbeitsteilig, aber überwiegend von Hand Waren herstellten – eine Vorstufe der Fabrik.
- Merkantilismus
- Wirtschaftspolitik, die den Export fördert, Importe durch Zölle erschwert und so Geld ins eigene Land bringen soll.
- Militärgrenze
- Befestigter Grenzstreifen der Habsburger zum Osmanischen Reich, in dem Wehrbauern Land erhielten und dafür zum Grenzschutz verpflichtet waren.
- Personalunion
- Zwei selbstständige Staaten haben denselben Herrscher, bleiben aber getrennt, etwa Hannover und Großbritannien (1714–1837).
- Peuplierung
- Gezielte Ansiedlung von Menschen durch den Staat, um entvölkerte Gebiete wieder zu beleben und die Steuerkraft zu erhöhen.
- Pietismus
- Protestantische Frömmigkeitsbewegung ab etwa 1670, die persönlichen Glauben, Bibellesen und tätige Nächstenliebe betonte.
- Pragmatische Sanktion
- Hausgesetz Karls VI. von 1713: Die habsburgischen Länder sollten unteilbar sein und notfalls an eine Tochter vererbt werden.
- Reichskreise
- Regionale Zusammenschlüsse der Reichsstände, die für Landfrieden, Münzwesen und das Aufstellen von Reichstruppen zuständig waren.
- Reichstag (Immerwährender)
- Versammlung der Reichsstände; ab 1663 tagte er ständig in Regensburg als Gesandtenkongress bis 1806.
- Residenz / Residenzstadt
- Sitz eines Fürsten und seines Hofes; oft eine planmäßig angelegte Stadt rund um ein Schloss.
- Reunionen
- „Wiedervereinigungen“: französische Annexionen von Reichsgebieten ab 1679, die mit angeblichen alten Rechtsansprüchen begründet wurden.
- Souveränität
- Höchste, von niemandem abgeleitete Herrschaftsgewalt; ein souveräner Herrscher ist keinem Lehnsherrn untergeordnet.
- Stehendes Heer
- Dauerhaft unterhaltene Armee eines Fürsten, auch in Friedenszeiten, im Gegensatz zu nur für einen Krieg angeworbenen Söldnern.
- Subsidien
- Zahlungen einer Macht an eine andere, meist für die Bereitstellung von Truppen oder für ein Bündnis.
- Theodizee
- „Rechtfertigung Gottes“: die Frage, wie ein allmächtiger und gütiger Gott das Leid in der Welt zulassen kann. Der Begriff stammt von Leibniz.
- Toleranz
- Duldung anderer Glaubensrichtungen. Im 17. und 18. Jahrhundert meist begrenzt und oft aus wirtschaftlichen Gründen gewährt.
Quellen & Weiterlesen
Dieses Dokument fasst den Forschungsstand in eigenen Worten zusammen. Für Zahlen (z. B. Heeresstärken, Bevölkerung, Opfer) gibt es oft nur Schätzungen; die hier genannten Werte sind gängige Größenordnungen aus den folgenden Quellen.
- German History in Documents and Images: Das Heilige Römische Reich (1648–1815), Einleitung
- Wikipedia: Nürnberger Exekutionstag
- Wikipedia: Immerwährender Reichstag
- Wikipedia: Reunionspolitik
- Wikipedia: Pfälzischer Erbfolgekrieg
- Wikipedia: Spanischer Erbfolgekrieg
- Wien Geschichte Wiki: Zweite Türkenbelagerung (1683)
- Wien Geschichte Wiki: Eugen von Savoyen
- Wien Geschichte Wiki: Pest
- Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen: Friede von Karlowitz
- Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen: Der Friede von Passarowitz
- Österreichisches Staatsarchiv: Kolonisten – Ansiedlungspolitik im Südosten Europas
- Wikipedia: Großer Nordischer Krieg
- Dresden und Sachsen: August der Starke
- Wikipedia: Friedrich Wilhelm (Brandenburg)
- Hugenottenmuseum Berlin: Das Edikt von Potsdam vom 29. Oktober 1685 (PDF)
- rbb Preußen-Chronik: Die Königskrönung 1701
- Wikipedia: Friedrich Wilhelm I. (Preußen)
- Wikipedia: Österreichischer Erbfolgekrieg
- Wien Geschichte Wiki: Maria Theresia
- Wikipedia: Pietismus
- Catalogus Professorum Halensis: Christian Thomasius
- WürzburgWiki: Maria Renata Singer von Mossau
- domradio.de: Das Erdbeben von Lissabon an Allerheiligen 1755
Bücher zum Vertiefen
- Heinz Schilling: Höfe und Allianzen. Deutschland 1648–1763.
- Joachim Whaley: Das Heilige Römische Reich deutscher Nation und seine Territorien, Bd. 2 (1648–1806).
- Christopher Clark: Preußen. Aufstieg und Niedergang 1600–1947.
- Barbara Stollberg-Rilinger: Maria Theresia. Die Kaiserin in ihrer Zeit.
- Barbara Stollberg-Rilinger: Europa im Jahrhundert der Aufklärung (kurz und gut lesbar).
- Heinz Duchhardt: Barock und Aufklärung (Oldenbourg Grundriss der Geschichte).